Anreise nach Istrien

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Die schönste Anreise nach Istrien

Anreise mit dem Auto nach Istrien: spektakulär und spannend

Es gibt einige Möglichkeiten, mit dem Auto nach Istrien anzureisen. Für mich gibt es definitiv einen Weg, den ich allen anderen vorziehe, auch wenn er je nach Vorlieben und Geschmack die Anreisezeit um einen bis drei Tage verlängern kann. Hierbei lasse ich alle die Versuchungen aus, die sich auch in Deutschland und Österreich entlang des Weges bieten und beginne meine Anreise an der österreichisch – slowenischen Grenze und am slowenischen Ende des Karawankentunnels.

Die hier beschriebene Strecke ist ohne slowenische Vignette befahrbar, da man die Autobahn bereits an der ersten Ausfahrt von Jesenice verlässt. Hier folgt man der Bundesstraße 202 in Richtung Kranjska Gora und stößt dort unweigerlich auf die einzige größere Kreuzung, deren linker Abzweig den Beginn der Vršič Passtraße darstellt.

In Serpentinenkurven schlängelt die schmale Passtraße sich hinauf auf 1611 Meter. Sie stellt die Verbindung zwischen Kranjska Gora und Trenta her, einem Dorf auf der anderen Seite des Passes.

Dessen Bewohner mussten den Weg früher zu Fuß auf Pfaden über die Berge bewältigen. Wenn man heute bequem im Auto die Strecke zurücklegt, mag man es kaum glauben, welche Bürde der Ort der Geburt dem Menschen auferlegen konnte, um auch nur das Notwendigste zu beschaffen.

Die Straße ist eine während des ersten Weltkrieges von Österreich-Ungarn angelegte Versorgungsstraße für die Schlachten am Isonzo Fluss. Der Isonzo heißt auf slowenisch Soča. Hier standen sich von 1914 bis 1917 italienische und österreichische Truppen in insgesamt zwölf erbitterten Schlachten gegenüber.

Die Passstraße wurde aber von etwa 30.000 russischen Kriegsgefangenen unter härtesten Bedingungen gebaut. Extremes Gelände, harsches Klima und im Winter Lawinengefahr machten den Bau zu einem Martyrium. Allein ein Lawinenabgang forderte 400 Opfer unter den russischen Arbeitern und den österreichischen Bewachern.

Hat man den Pass erreicht, bietet sich ein grandioses Bergpanorama der julischen Alpen.

Die Abfahrt führt hinab ins Tal der Soca. In einer der Kurven auf dem Weg hinunter führt eine Stichstraße zur Hauptquelle des Flusses. Einen Besuch hier kann ich nur empfehlen, auch wenn er auf den letzten Metern mit etwas Kletterei verbunden ist.

Die Soča entspringt in einer von ihrem Wasser in zauberhaftes Blau getauchten Höhle in einem Quelltümpel und tritt dann in einem Wasserfall zu Tage, bevor sie ihren Weg in Richtung Adria antritt. Diesem Weg wollen wir nun folgen.

Die Passstraße mit der Nummer 106 trifft kurz vor dem Städtchen Bovec auf die 203. Bovec ist ein netter kleiner Gebirgsort, der sich als Aufenthaltsort für Aktivitäten in den Bergen eignet. Beispielsweise als Ausgangspunkt für Wanderungen zur Sočaquelle. Spätestens ab dem Ort Soča verläuft hier ein toller Wanderweg am Fluss entlag.

Der Straße Nummer 106 folgend, kommt man dann nach Kobarid, zu Deutsch Karfreit. Kobarid ist bekannt als Stätte der zwölften Isonzo Schlacht, und über dem Ort erhebt sich auf einem Hügel eine unter Mussolini errichtete italienische Gedenkstätte, am Ende eines Kreuzweges. Darüber hinaus ist ein Aufenthalt in Kobarid aber aus weiteren Gründen empfehlenswert. Am besten folgt man dem historischen Lehrpfad, der im Ort gut beschildert ist und lässt sich auf eine ca. vierstündige Wanderung ein, die neben dem italienischen Gebeinhaus auch zur Napoleonsbrücke über die Soča führt.

Teil der Wanderung ist auch eine Natursehenswürdigkeit, die Wasserfälle des Koziak Baches, der hier in einer Höhle in eine Gumpe fällt.

Mehr zur Wanderung

Als Stätte einer der großen Schlachten des ersten Weltkrieges verfügt Kobarid natürlich auch über ein Museum zur Schlachtgeschichte.

Von Kobarid aus fährt man dann weiter in Richtung Tolmin, folgt aber kurz vor Tolmin der Bundesstraße 103 in Richtung Nova Gorica und somit weiter der Soča, die hier allerdings ihren Charakter als Gebirgsfluss nur noch in der faszinierenden, smaragdenen Farbe bewahrt. Der nächste Ort, der zum Halt einlädt, heißt Kanal, auf Italienisch Canale d´Isonzo und auf Deutsch Kanalburg. Der Ort liegt sehr malerisch am Fluss, der aber auf Grund des oberhalb gelegenen Wasserkraftwerkes meistens wenig Wasser führt. Hier macht sich erstmals mediterraner Einfluss bemerkbar. Palmen wachsen und die Luft ist spürbar milder als noch in Karfreit.

Abstecher ins Naturschutzgebiet der Isonzo Mündung

In Nova Gorica kreuzt man dann die Landesgrenze nach Gorizia in Italien und folgt der Bundesstraße nach Monfalcone. Hier empfehle ich einen Abstecher ins Naturschutzgebiet der Isonzo Mündung. Der Fluss, dessen blaue Quelle mich in den Julischen Alpen so sehr fasziniert hat und dessen Umgebungsgeschichte so berührend und spannend ist, dass ich seinem Verlauf mehrfach gefolgt bin, mündet hier in einem Delta in die Adria. In einer ebenfalls beeindruckenden, aber dem Ursprung konträren, flachen Landschaft aus Wasser, Schilf und Flussinseln. Mehr zum Thema Isonzo Delta

Castello di Miramare

Ab Monfalcone folgt man der Küstenstrasse 14 bis Grignano. Hier stößt man auf das Castello di Miramare, das Erzherzog Ferdinand Maximilian, der unglückliche Kaiser von Mexiko, für sich und seine Ehefrau Charlotte von Belgien errichten ließ. Die Fertigstellung des Schlosses mit seinen wunderbaren Parkanlagen erfolgte allerdings erst 1870, drei Jahre nachdem der mexikanische Kaiser von Napoleon des dritten Gnaden in Querértaro von einem Krieggericht verurteilt und erschossen wurde. Mehr zum Schloss Miramare

Schloss Miramare

Von hier an sind es nur noch wenige Kilometer bis Triest. Die Stadt alleine ist einen längeren Aufenthalt wert. Neben der Piazza dell‘ Unità d´Italia, einem von Palazzi gesäumten großen quadratischen Platz mit Öffnung zum Meer hin, sind die Altstadt um die Festung herum und der Canala Grande urbane Viertel, die man wunderbar, vom Zusehenen inspiriert, in Spaziergängen erkunden kann.

Inspirierend muss sie ohnehin sein, diese Stadt mit ihrer multikulturellen Vergangenheit. Immerhin gleich zwei Giganten der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts kreuzten hier ihre Wege. James Joyce, der Verfasser des „Ulysses“ und Ettore Schmitz – besser bekannt als Italo Svevo, der Autor des großartigen Buches „La coscienza di Zeno“ (Zenos Gewissen), dessen introspektive Handlung aber doch eindeutig in Triest angesiedelt ist.

Für Bücherfreunde gibt es hier noch einen echten Tipp von mir. Lasst euch einen Besuch in der „La Bottega del Nonno“ nicht entgehen. Es lohnt sich! Ein Antiquariat mit herrlicher Atmosphäre und besonders für deutsche Leser dem ein oder anderen deutschen Buchschatz – was leider auch darauf zurückzuführen ist, dass die Zahl der Deutschsprecher stetig rückläufig ist. Ich jedenfalls hatte dort das große Glück, die deutsche Erstausgabe von Fritjof Nansens Bericht über seine Polarexpedition „In Nacht und Eis“ erstehen zu können. (Erschienen in Leipzig, 1897).

La Bottega del Nonno
Via Venezian 20
Triest

Tel: 0039 40 305024

Gleich hinter Triest überquert man wieder die Grenze zu Slowenien und befindet sich nun an der insgesamt 46 Kilometer umfassenden slowenischen Adriaküste. Hier wartet ein weiterer Höhepunkt der Wegstrecke auf einen Besuch. Die wunderbare Stadt Piran.

Auf den ersten Blick ein Klein-Venedig ohne Kanäle. Man kommt mit dem Auto nicht in die Stadt und muss das Fahrzeug in Parkhäusern vorm Ort abstellen. Der Fußweg ist aber nicht weit.

Der zentrale Ort in Piran ist die Piazza Tartini, auf der dem bekanntesten Sohn Pirans ein Denkmal gesetzt wurde. Es handelt sich um den Barockkomponisten und Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini.

Piazza Tartini

Von hier aus kann man das bezaubernde Städtchen mit seinen venezianischen Gassen und der Front zum Meer hervorragend erkunden. Sehenswert und ganz in der Nähe, hinter Portoroz, kurz vor der kroatischen Grenze, stößt man dann auf die Salinen von Sečovlje.

Der Besuch lohnt sich: man kann in dem kleinen Museum historische Bilder zur Salzgewinnung betrachten und auch geführte Touren mitmachen, die einem die Arbeit in den Salinen erklären. Ebenfalls lohnenswert ist ein Ausflug ins Hinterland der Salinen ins Tal der Mühlen. Ein landschaftlich reizvolles ruhiges Tal mit alten Steinhäusern von denen einige in den letzten Jahren liebevoll wieder in Stand gesetzt wurden.

Von den Salinen aus sichtbar ist schon die kroatische Grenze und somit das Ziel der Reise. Wenn Zeit und Strecke es zulassen, empfiehlt es sich, hier die Ankunft in Istrien mit einem Besuch des Restaurants Astarea, im nicht weit hinter der Grenze liegenden Brtonigla/Verteneglio, zu feiern!

Von |2018-05-24T00:36:01+00:00Mai 23rd, 2017|Blog|0 Kommentare

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